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BeitrÀge

PrÀexpositionsprophylaxe - PrEP

Dieser Text ist ein Auszug aus: Positionen und Empfehlungen zur HIV-PrÀexpositionsprophylaxe (PrEP) der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG). Mai 2017. HIER ALS PDF


Die HIV-PrÀexpositionsprophylaxe (PrEP) in Form von TruvadaŸ, einem KombinationsprÀparat aus Tenofovirdisoproxilfumarat und Emtricitabin, ist in Deutschland seit Ende 2016 zugelassen. TruvadaŸ kann bisher nur auf Privatrezept verschrieben werden.

 

Wirksamkeit der PrEP

Es liegen Studien (z.B. TDF2[1], iPrEx[2], Partners-PreP, PROUD[3], IPERGAY[4]) sowie Berichte vor, die die Wirksamkeit der PrEP zur Verhinderung einer HIV-Infektion bestĂ€tigen. Bei richtiger Einnahme und unter den unten genannten Voraussetzungen liegt die Wirksamkeit bei ĂŒber 90%. Ausschlaggebend fĂŒr die Wirksamkeit ist u.a. die AdhĂ€renz, die von verschiedenen Faktoren (sozialer Status, psychosoziale Faktoren) beeintrĂ€chtigt sein kann.[5]

 

PrEP als zusÀtzliche HIV-PrÀvention

Die PrEP ist eine zusĂ€tzliche Möglichkeit der HIV-PrĂ€vention, wird die bisherigen Methoden (z. B. Kondom, Schutz durch Behandlung, PEP) jedoch nicht ersetzen. Sie ist als ein PrĂ€ventionsangebot fĂŒr Menschen geeignet, die sich vor HIV schĂŒtzen möchten, die durch andere Angebote aber noch nicht erreicht wurden oder die andere Methoden zur Vermeidung einer HIV-Infektion nicht – oder nicht durchgĂ€ngig – nutzen oder nutzen können. Die PrEP bietet fĂŒr Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine Ansteckung mit HIV eine neue Chance der PrĂ€vention, und trĂ€gt damit nicht nur zum Schutz dieser Menschen, sondern auch ihrer Partner_innen bei.

Die Nutzung von PrEP ist in Deutschland bereits verbreitet, doch viele Nutzer_innen nehmen sie ohne Ă€rztliche Anweisung und ohne medizinische Betreuung ein. Dies birgt gesundheitliche Risiken – denn die Einbindung von PrEP-Nutzer_innen in die medizinische Versorgung (z.B. zu sexuell ĂŒbertragbaren Infektionen, STI) ist elementar!

 

Eine PrEP sollte allen Personen angeboten werden die


  • 
 ein epidemiologisch hohes HIV-Risiko haben (z.B. MSM) und sexuelle Kontakte ohne Kondom praktizieren.
  • 
 wahrscheinlich sexuelle Kontakte ohne Kondom haben werden, sich diese wĂŒnschen oder planen.

 

FĂŒr wen ist die PrEP geeignet?

Die Empfehlung zur HIV-PrĂ€vention mittels PrEP bedeutet eine individuelle Indikationsstellung. Entscheidend ist ein ausfĂŒhrliches GesprĂ€ch, bei dem alle relevanten Informationen zur Sexuellen Gesundheit und Lebenswelt, ĂŒber das bisherige und zukĂŒnftige Sexualverhalten des/der potentiellen PrEP-Nutzer_in die Indikationsstellung eingehen sollten. Folgende Stichpunkte sind fĂŒr das GesprĂ€ch wichtig:

 

  • Gibt es Sexualpartner_innen mit bekannter HIV-Infektion?
  • Falls ja, ist bekannt ob die HI-Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt?
  • Werden Sexualkontakte mit verschiedenen Partner_innen bereits gelebt oder gewĂŒnscht?
  • Wie ist die Verwendung von Kondomen – unregelmĂ€ĂŸige oder keine Verwendung?
  • Finden Sexualkontakte ohne die Verwendung von Kondomen mit verschiedenen Partner_innen statt, die epidemiologisch ein hohes HIV-Risiko haben?
  • Besteht oder bestand eine sexuell ĂŒbertragbare Infektion (STI)?
  • Wurde in der Vergangenheit eine PEP (HIV Post-Expositionsprophylaxe) eingenommen?
  • Findet Sex im Austausch gegen Zuwendungen statt (z.B. Geld)?
  • Werden Drogen oder Alkohol konsumiert – auch in Verbindung mit Sex (ChemSex)?
  • Werden Drogen (intravenös) gespritzt? Findet ein Nadeltausch statt?
  • Gab es oder besteht eine Inhaftierung bzw. Kontakt zu Inhaftierten?
  • Wie sind die Vorstellungen ĂŒber zukĂŒnftige Sexualkontakte? Sind Kontakte ohne Kondom wahrscheinlich, gewĂŒnscht oder geplant?
  • Wird die Entscheidung fĂŒr die PrEP eigenverantwortlich getroffen? Ist der/die potentielle Nutzer_in gut informiert und im Stande, diese Entscheidung fĂŒr sich zu treffen und zu verantworten?
  • Ist der/die potentielle Nutzer_in in der Lage, die Medikamente zu finanzieren?
  • Wie ist die sexuelle Orientierung?

 

Entsprechend dem Ausgang des BeratungsgesprĂ€ches sollte es dem/der Ärzt_in obliegen, im individuellen Fall die PrEP als HIV-PrĂ€vention zu empfehlen und bei EinverstĂ€ndnis der/des Klienten_in zu verschreiben.

 

Medizinische Voraussetzungen vor Beginn einer PrEP:

  • AusfĂŒhrliches ErstgesprĂ€ch
  • Die Anwendung einer PrEP bei Personen mit unbekanntem oder positivem HIV-Status ist kontraindiziert. Sie ist daher nach einem Risikokontakt nur nach negativem HIV-Antigentest oder Antikörpertest unter BerĂŒcksichtigung der jeweiligen Testlatenz (14 Tage bis 4 Wochen) einzusetzen.
  • Falls klinische Symptome im Sinne einer akuten Virusinfektion auftreten und eine kĂŒrzliche (< 1 Monat) Exposition mit HIV vermutet wird, sollte die PrEP um mindestens einen Monat verschoben werden. Die Initiierung einer HIV-FrĂŒhtherapie (nach Schnelltestbefund) sollte empfohlen werden.
  • STI-Vorsorgeuntersuchungen durch STI-Spezialist_innen, ggf. in spezialisierten Zentren, mit Abstrichen auf alle STI, alle 3 bis maximal 6 Monate, auch nach Anamnese. Die KostenĂŒbernahme muss durch die GKV gewĂ€hrleistet werden.
  • RegelmĂ€ĂŸige Wiedervorstellung alle 3 Monate, einschließlich HIV-Testung und STI-Screening, sowie ggfs. Behandlung begleitender STIs:
    - Gonorrhoe, Chlamydien (bei MĂ€nnern: PCR aus Erststrahlurin, Abstriche (rektal, pharyngeal; bei Frauen: Abstriche vaginal, pharyngeal, rektal)
    - Lues (Serologie, u.U. PCR aus Abstrich)
    - Hepatitis B und C (Serologie)
  • Messung des Kreatinin-Werts – die PrEP ist kontraindiziert fĂŒr Personen mit einer geschĂ€tzten CrCl unter 60 ml/min. Bei Werten von CrCl < 80 ml/min muss der mögliche Nutzen gegen das mögliche Risiko (z.B. Nierenversagen) sorgfĂ€ltig abgewogen werden.
  • Bei allen Personen mit einem Serumphosphatspiegel < 1,5 mg/dl (0,48 mmol/l) oder mit einer auf < 60 ml/min erniedrigten CrCl, die eine PrEP erhalten, sollte die Nierenfunktion innerhalb einer Woche erneut kontrolliert werden. Dabei sollte auch eine Bestimmung des Blutzuckers, der Kaliumkonzentration im Blut sowie der Glukosekonzentration im Urin erfolgen. Sollte keine Verbesserung eintreten, muss die PrEP unterbrochen werden.[6]
  • Bei Personen ohne Risikofaktoren fĂŒr eine Nierenfunktionsstörung sollte die Nierenfunktion (CrCl und Serumphosphat) nach 2 bis 4 Behandlungswochen, nach 3 Behandlungsmonaten und danach alle 3 bis 6 Monate ĂŒberwacht werden. Bei Personen mit einem Risiko fĂŒr eine Nierenfunktionsstörung ist eine hĂ€ufigere Überwachung der Nierenfunktion erforderlich.[7]
  • Bei gleichzeitiger oder vor kurzem erfolgter Behandlung mit einem nephrotoxischen Arzneimittel sollte die Einnahme von TruvadaÂź vermieden werden. Ist die gleichzeitige Einnahme von TruvadaÂź und nephrotoxischen Wirkstoffen unvermeidbar, sollte die Nierenfunktion wöchentlich kontrolliert werden.
  • Bei Verdacht auf Knochenanomalien sollte eine entsprechende medizinische Beratung eingeholt werden, da eine Verringerung der Knochenmineraldichte (BMD) bei Einnahme der PrEP beobachtet wurde.
  • Eine Testung auf Hepatitis A und B-Virus-Infektion sollte vor Beginn der PrEP erfolgen und negative Personen sollten geimpft werden. HBV-positive Personen sollten die Einnahme und insbesondere das Absetzen einer PrEP aufgrund einer möglichen schweren akuten Verschlechterung der Hepatitis nur unter engmaschiger medizinischer Aufsicht vornehmen. Eine nicht-kontinuierliche PrEP sollte insbesondere bei HBV-positiven Patient_innen vermieden werden! Patienten mit Hepatitis B mĂŒssen dauerhaft mit TDF oder TAF behandelt werden. Eine Erweiterung zur TDF/FTC oder TAF/FTC PrEP ist wahrscheinlich sinnvoll.
  • FĂŒr Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden möchten, besteht nach neuesten Studienergebnissen keine Risikoerhöhung.[8]

 

Einnahmeschema:

Die Einnahme der PrEP als HIV-PrĂ€vention ist in Deutschland mit einer Tablette TruvadaÂź zur tĂ€glichen Einnahme zugelassen. Das Dosierungsschema ist in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin individuell zu besprechen.

 

Was bedeutet „PrEP bei Bedarf“?

Der kĂŒrzest sichere Einnahmezeitraum einer PrEP vor HIV-Exposition ist nicht abschließend geklĂ€rt.

Aufgrund der derzeitigen Datenlage möchten wir zu diesem Zeitpunkt keine Empfehlung fĂŒr die Anlass-bezogene PrEP („PrEP bei Bedarf“) aussprechen. Eine Zulassung hierfĂŒr ist nicht vorhanden. Bei Frauen ist eine vorherige Einnahme – bis 6 Tage vor dem Geschlechtsverkehr – aufgrund der geringeren Gewebespiegel in der Scheide zu berĂŒcksichtigen.[9] Die Konzentration der Plasma- und Gewebespiegel ist wissenschaftlich nicht gesichert.

 

PrEP Pause

Wird die PrEP-Einnahme pausiert, sinken die Wirkspiegel und die HIV-PrÀventionswirkung geht vollstÀndig verloren.

 

AdhÀrenz und psycho-soziale Begleitung

Eine psycho-soziale Begleitung kann fĂŒr die AdhĂ€renz und Einbindung der medikamentösen PrEP in ein Gesamtkonzept der HIV-PrĂ€vention sinnvoll sein. Um eine psycho-soziale Begleitung anbieten zu können, ist die Schulung von Berater_innen sowie eine enge Kooperation zwischen medizinischer Einrichtung und Beratungsstelle (wie in Punkt V. beschrieben) elementar.

 

  • AdhĂ€renz-UnterstĂŒtzung sollte nach Bedarf und Möglichkeit angeboten werden (durch Angebote von NGOs wie Aidshilfen, Beratungsstellen, Ärzteinnen und Ärzte etc.; KostenĂŒbernahme muss durch GKV gewĂ€hrleistet werden)
  • Überleitung an Angebote der Aidshilfen und Beratungsstellen
  • GesprĂ€ch ĂŒber die Wichtigkeit der Kenntnis des eigenen HIV-Status
  • Über SexualitĂ€t und LebensqualitĂ€t reden
  • Offenheit und Akzeptanz fĂŒr unterschiedliche sexuelle Lebenswelten und Sexualpraktiken unabhĂ€ngig von persönlichen Wert- oder Moralvorstellungen
  • Eine PrEP besteht nicht nur aus Medikamenten, sondern ist immer Teil einer Gesamtstrategie zur PrĂ€vention einer HIV-Infektion. Alternative und zusĂ€tzliche Möglichkeiten der STI- und HIV-PrĂ€vention sollten wiederholt besprochen werden
  • Drogenkonsum ansprechen (im Sinne eines Beratungsangebotes bei Drogenkonsum)

 

 

WeiterfĂŒhrende Literatur:

  • Positionen und Empfehlungen zur HIV-PrĂ€expositionsprophylaxe (PrEP) der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG). Mai 2017. LINK zum PDF
  • Alaei K, Paynter CA, Juan SC, Alaei A. Using preexposure prophylaxis, losing condoms? Preexposure prophylaxis promotion may undermine safe sex. AIDS. 2016 Nov 28;30(18):2753-2756.
  • Bershteyn A, Klein DJ, Akullian AN, Mukandavire Z et al. COST-EFFECTIVENESS OF PREEXPOSURE PROPHYLAXIS ACROSS COUNTIES IN WESTERN KENYA. February 13–16, 2017 | Seattle, Washington Abstract Number: 1037
  • Collins S. No New HIV Cases in 398 People Using PrEP at Dean Street Clinic. i Base; HIV Treatment Bulletin; 24. April 2017. http://i-base.info/htb/31571
  • Comboroure JC,Semaille C, Choulika S. RĂ©union d’information pour les associations Prophylaxie prĂ©-exposition (PrEP). Premier bilan, Transition RTU/AMM, Mercredi 22 fĂ©vrier 2017.
  • Crosby RA, Charnigo RA, Weathers C, Caliendo AM, Shrier LA. Condom effectiveness against non-viral sexually transmitted infections: a prospective study using electronic daily diaries. Sex Transm Infect. 2012;88(7):484-9.
  • Doblecki-Lewis S, Liu A, Feaster D, Cohen SE, Cardenas G, Bacon O, Andrew E, Kolber MA. Healthcare Access and PrEP Continuation in San Francisco and Miami After the US PrEP Demo Project. J Acquir Immune Defic Syndr. 2017 Apr 15;74(5):531-538.
  • Goodreau SM, Hamilton DT, Sullivan P, Jenness S, Kearns RA et al. PReP targeting strategies for US adolescent sexual minority males: A modelling study. CROI February 13–16, 2017, Seattle, Washington, Poster 1033.
  • Grant RM et.al.:Preexposure chemoprophylaxis for HIV prevention in men who have sex with men. N Engl J Med. 2010 Dec 30;363(27):2587-99. doi: 10.1056/NEJMoa1011205. Epub 2010 Nov 23.
  • Khaketla M, Lachowsky NJ, Armstrong HL, Cui Z, Hull M et a. Four-year trends in awareness and use of HIV PrEP among gbMSM in Vancouver, Canada. CROI February 13–16, 2017, Seattle, Washington, Poster 966.
  • Lal L, Audsley J, Murphy D et al. Medication adherence, condom use and sexually transmitted infections in Australian PrEP users: interim results from the Victorian PrEP Demonstration Project. AIDS. 2017 May 1. doi: 10.1097/QAD.0000000000001519. [Epub ahead of print]
  • Mabileau G, Del Amo J, RĂŒĂŒtel K, Paltiel AD et al. EFFECTIVENESS AND COST-EFFECTIVENESS OF HIV SCREENING STRATEGIES ACROSS EUROPE. February 13–16, 2017 | Seattle, Washington Abstract Number: 1028
  • MacFadden DR, Tan DH, Mishra S. Optimizing HIV pre-exposure prophylaxis implementation among men who have sex with men in a large urban centre: a dynamic modelling study. J Int AIDS Soc. 2016; 23;19(1):20791.
  • Magaret AS, Mujugira A, Hughes JP. Effect of Condom Use on Per-act HSV-2 Transmission Risk in HIV-1, HSV-2-discordant Couples. Clin Infect Dis. 2016;62(4):456-61.
  • Marcus JL, Hurley LB, Hare CB, Nguyen DP, Phengrasamy T, PharmD, Silverberg MJ et al. Preexposure Prophylaxis for HIV Prevention in a Large Integrated Health Care System: Adherence, Renal Safety, and Discontinuation. Acquir Immune DeïŹc Syndr. 2016; 73(5): 540-546.
  • Nichols BE et al. Cost-effectiveness analysis of pre-exposure prophylaxis for HIV-1 prevention in the Netherlands: a mathematical modelling study. Lancet Infect Dis, Sept. 22, 2016.
  • Parsons JT et al. Uptake of HIV Pre-Exposure Prophylaxis (PrEP) in a National Cohort of Gay and Bisexual Men in the United States. J Acquir Immune Defic Syndr. 2017;74(3):285-292.
  • Thigpen MC et. al: Antiretroviral preexposure prophylaxis for heterosexual HIV transmission in Botswana. N Engl J Med. 2012 Aug 2;367(5):423-34. doi: 10.1056/NEJMoa1110711. Epub 2012 Jul 11.

 

Links zu PrEP-Studien:

 



[1] Thigpen MC et. al: Antiretroviral preexposure prophylaxis for heterosexual HIV transmission in Botswana. N Engl J Med. 2012 Aug 2;367(5):423-34. doi: 10.1056/NEJMoa1110711. Epub 2012 Jul 11.

[2] Grant RM et.al.:Preexposure chemoprophylaxis for HIV prevention in men who have sex with men. N Engl J Med. 2010 Dec 30;363(27):2587-99. doi: 10.1056/NEJMoa1011205. Epub 2010 Nov 23.

[5] Marcus JL, Hurley LB, Hare CB et.al. Preexposure Prophylaxis for HIV Prevention in a Large Integrated Health Care System: Adherence, Renal Safety, and Discontinuation. J Acquir Immune Defic Syndr. 2016;73(5):540-546.

[8] Heffron, Renee: PReP used in pregnancy does not increase poor birth outcomes. CROI 2017, February 13–16, 2017; Seattle, Washington, Abstract Number: 934 http://www.croiconference.org/sessions/prep-used-pregnancy-does-not-increase-poor-birth-outcome

 

PrÀexpositionsprophylaxe (PrEP)

Die HIV-PrĂ€expositionsprophylaxe (PrEP) ist eine neue Möglichkeit, wie sich HIV-negative Menschen, die einem eventuellen Risiko ausgesetzt sind, durch die vorbeugende Einnahme von Emtricitabin plus Tenofovir (Truvada Âź) vor einer HIV-Infektion schĂŒtzen können. In zwei veröffentlichten Studien (PROUD und IPERGAY) wurde eine hohe Wirksamkeit der PrEP beobachtet. Die Firma Gilead hat einen Zulassungsantrag bei der EuropĂ€ischen Zulassungsbehörde eingereicht. Es wird damit gerechnet, dass in der nahen Zukunft die PrEP auch in Deutschland zugelassen wird. FĂŒr die HIV-PrĂ€vention ergeben sich hieraus neue Bedingungen, auf die sich auch alle Menschen in der HIV-Behandlung und -Beratung einstellen mĂŒssen.

 

Die DSTIG hat eine Mitglieder-Umfrage zu PrEP durchgefĂŒhrt. Auf Basis eines Online-Fragebogens ist ein interessantes Meinungsbild entstanden. Die Teilnahme an der Umfrage, die im April 2016 durchgefĂŒhrt wurde, war freiwillig und anonym.
62 Mitglieder der DSTIG haben sich an der Umfrage beteiligt.

 

HIER finden Sie die Ergebnisse in Grafiken dargestellt (PDF)

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Aktuelle BeitrÀge zum Thema Sexarbeit

Die Sektion Sexuelle Gesundheit der DSTIG hat seit Februar 2014 eine Arbeitsgruppe zum Thema Sexarbeit (Leitung: Harriet Langanke, stellv. Elfriede Steffan) gegrĂŒndet. Informationen rund um das Thema Sexarbeit finden Sie hier auf dieser Seite. Haben Sie interessante, aktuelle Artikel etc.? Schicken Sie uns Ihre Informationen an This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. Möchten Sie sich in der AG engagieren? Schreiben Sie uns an This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. – wir nehmen Sie gern in den Verteiler auf.

 

Im Jahr 2013 hat sich der Berufsverband Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen gegrĂŒndet. Der Verband ist ein wichtiger Partner der AG Sexarbeit. Er setzt sich fĂŒr bessere Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter_innen und gegen Diskriminierung und Kriminalisierung von Menschen in der Sexarbeit ein.

 

 

Positionen der DSTIG


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Stellungnahme der DSTIG zum Referentenentwurf des BMFSFJ zum § 36 Absatz 2 ProstSchG (ProstAV) sowie § 36 Absatz 3 ProstSchG (ProstStatV)

Die Stellungnahme der DSTIG vom 12.04.2017 finden Sie HIER ALS PDF

 

Stellungnahme der DSTIG zur Umsetzbarkeit des ProstSchG und zu den zu erwartenden Auswirkungen auf die STI-Beratungsstellen der GesundheitsÀmter

Die Stellungnahme der DSTIG vom 22.09.2016 finden Sie HIER ALS PDF

 

Stellungnahme der DSTIG zu den ReferentenentwĂŒrfen des Gesetzes zur "Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tĂ€tigen Personen"

Die Stellungnahme der DSTIG vom 11.09.2015 finden Sie HIER ALS PDF


POSITIONSPAPIER DER DSTIG ZUM PROSTITUIERTENSCHUTZGESETZ

Die Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG) ist eine interdisziplinÀre, wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Förderung sexueller Gesundheit. Sie hat Standards zur PrÀvention sowie Empfehlungen zur Beratung zur sexuellen Gesundheit entwickelt. Stand: MÀrz 2015. HIER ALS PDF



PRESSEMITTEILUNG DER DSTIG

Abschlussbericht "Runder Tisch Prostitution NRW" - DSTIG begrĂŒĂŸt die Ergebnisse

10.10.2014: Der Bericht liefert erstmals SchĂ€tzungen zur Prostitution in NRW: Demnach gibt es zwischen 25.000 und 45.000 Prostituierte, von denen etwa zehn Prozent auf dem Straßenstrich und ĂŒber 50 Prozent in privaten Wohnungen arbeiten. Interessant ist nach Ansicht der DSTIG auch, dass der Runde Tisch keinen Beleg fĂŒr die These fand, mit dem Prostitutionsgesetz von 2002 sei der Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung gestiegen.

Lesen Sie die gesamte PRESSEMITTEILUNG HIER ALS PDF

Den Abschlussbericht finden Sie HIER ONLINE

 

PRESSEMITTEILUNG DER DSTIG

Warum ein Statement der DSTIG zur gesetzlichen Regelung der Prostitution?

Auch wenn in der letzten Legislaturperiode des Bundestages das „Gesetz zur BekĂ€mpfung des Menschenhandels und Überwachung von ProstitutionsstĂ€tten“, nicht mehr verabschiedet wurde, geht die politische und gesellschaftliche Diskussion zum Thema Prostitution weiter. Neue Gesetzesvorhaben, z.B. zur Regelung des Betriebes von ProstitutionsstĂ€tten, sind zu erwarten. Die DSTIG ist eine Fachgesellschaft, in der sich Fachleute aller relevanten Disziplinen der Praxis, Forschung und Wissenschaft der Förderung der sexuellen Gesundheit widmen. Die vielfĂ€ltige interdisziplinĂ€re Expertise der DSTIG bringt gesundheitspolitische Aspekte in die Debatte ein und kann dazu beitragen, diese zu versachlichen. 

Zum Download die Positionierung der DSTIG HIER als PDF

 

PRESSEMITTEILUNG DER DSTIG

Prostitution - aus der Geschichte lernen!

„In der aktuellen Diskussion ĂŒber ein Prostitutionsverbot und eine Bestrafung von Freiern werden wichtige Erfahrungen ausgeklammert.“ Darauf weist der PrĂ€sident der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) Norbert H. Brockmeyer hin. Die DSTIG ist eine medizinische und interdisziplinĂ€re Fachgesellschaft zur Förderung sexueller Gesundheit.
Finden Sie HIER die aktuelle Pressemitteilung zur Diskussion.

 

 

Pressespiegel / Publikationen

 

Caritas Essen warnt vor Pflichtuntersuchungen

07.10.2014: Die Bundesregierung plant die WiedereinfĂŒhrung von Zwangsuntersuchungen fĂŒr Prostituierte. Die Gesetzesinitiative ruft die Caritas im Bistum Essen auf den Plan. Sie befĂŒrchtet, dass durch das Gesetz die Arbeit der Streetworker erschwert werde. 850 Sexarbeiter wĂ€ren in Essen betroffen.

„Die Arbeit von Streetworkerinnen wird durch erzwungene Untersuchungen erschwert. Gerade der Zugang zu Opfern von Menschenhandel oder Zwangsprostituierten basiert auf Vertrauen, nicht auf Zwang. Ordnungspolitisches AufrĂŒsten bringt nur Vertrauensverlust“, kritisiert Andreas Meiwes, Caritasdirektor im Bistum Essen.

Lesen Sie den Artikel HIER ONLINE

 

Prostitution und VerÀnderungen durch das Internet. von Nicola Döring, TU Ilmenau

Lesen Sie den Artikel HIER ONLINE

 

IrrtĂŒmer zu Prostitution in Deutschland. von Matt Lehmann, Uni Belfast

Lesen Sie den Artikel HIER ONLINE  (fĂŒr den englischen Text ein wenig nach unten scrollen)

 

Nachlese zum Sexarbeitskongress des BesD in Berlin. Manuskripe und Informationen HIER ONLINE

 

The Evidence Is In: Decriminalizing Sex Work Is Critical to Public Health

During the 2014 International AIDS conference, The Lancet medical journal released a series of articles focused exclusively on HIV and sex work. One study by Kate Shannon et al., demonstrates that decriminalization of sex work could reduce HIV infections by 33 to 46 percent over the next decade. Den vollstĂ€ndigen Beitrag von Anna Forbes und Sarah Elspeth Patterson finden Sie HIER

 

Prostitution in Deutschland - Fachliche Betrachtung einer komplexen Herausforderung

HIER finden Sie den Text der Autorinnengruppe (Herausgeberinnen): Dorothea Czarnecki et al. 

 

Sechs Positionen zur Prostitution

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Als kritischen Beitrag zur aktuellen Debatte zu Sexarbeit hat die GSSG einen Kurzfilm mit sechs Positionen zur Prostitution produziert. Unter der Leitfrage "Schon einmal darĂŒber nachgedacht?" setzt sich der kurze ErklĂ€rfilm kritisch mit bekannten Vorurteilen zum Thema Prostitution auseinander. Der Film entstand in Zusammenarbeit der GSSG mit der Videoproduktion Carasana. Den Film finden Sie HIER

 

 

Entschließung des Bundesrates - Maßnahmen zur Regulierung von Prostitution und Prostitutionsstätte

In seiner 931. Sitzung am 11. April 2014 hat der Bundesrat zur Regulierung von Prostitution und ProstitutionsstĂ€tten folgende Entschließung gefasst.

 

Dona-Carmen-Gesetzentwurf: Gesetz zur Neuregelung der RechtsverhÀltnisse der Prostitution

HIER finden Sie eine demokratische Alternative zur polizeistaatlichen Prostitutionsregelementierung der CDU/SPD-Bundesregierung vom 04.2014

 

Text zur Prostitutionsdebatte

In der Publikationsreihe "Standpunkte - Ausgabe 7/2014" der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist von P. G. Macioti ein Text zur Prostitutionsdebatte erschienen. Den vollstÀndigen Text finden Sie HIER


Sweden's abolitionist discource and law: Effects on the dynamics of Swedish sex work and on the lives of Sweden's sex workers

Lesen Sie HIER den kompletten Beitrag.

 

Ach Alice – zur Debatte um ein Prostitutionsverbot

Im Januar 2014 hat Monika Kleine in "Kreuz und Quer" eine Stellungnahme zum Prosititutionsverbot veröffentlicht. Die vollstÀndige Stellungnahme finden Sie HIER

 

Das Magazin der GSSG fĂŒr Frauen zu SexualitĂ€t und Gesundheit

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Die DHIVA ist ein frauenspezifisches Magazin zu SexualitĂ€t und Gesundheit. Sie erscheint bereits seit 1994. Eine ehrenamtliche Redaktion erstellt in der Regel vier Ausgaben im Jahr mit einer Mischung zu allem, was Frauen rund um SexualitĂ€t und sexuelle Gesundheit interessiert. Weitere Informationen zur Bestellung finden Sie HIER

 

Chemsex

ChemSex“ - das ist der Ausdruck dafĂŒr, wenn chemische Drogen beim oder vor dem Sex eingenommen werden, teils auch intravenös. Kontrollverlust, das Teilen von Nadeln, UnterschĂ€tzung des Risikos – all das fĂŒhrt zu einer erhöhten Infektionsgefahr – nicht nur fĂŒr HIV, sondern auch fĂŒr andere sexuell ĂŒbertragbare Infektionen.

 

Der Trend zum Chemsex wurde zunĂ€chst verstĂ€rkt in Großbritannien verzeichnet, ist aber schon lĂ€ngst auch in Deutschland angekommen. Konsumiert werden dabei Stimulantien wie Mephedron oder Crystal Meth, GHB (GammahydroxybuttersĂ€ure) und seine Vorstufe GBL (Gamma-Butyrolacton), auch als k.o.-Tropfen bekannt.

 

Lesen Sie mehr zu dem Thema in der Presse hier.

STD/STI und MobilitÀt

Sexuell ĂŒbertragbare Infektionen (STI) verbreiten sich außerhalb einer geographisch oder sozial begrenzten Gruppe meist erst dann, wenn Menschen außerhalb dieser Gemeinschaft sexuelle Beziehungen eingehen. So sind sexuell ĂŒbertragbare Infektionen und MobilitĂ€t auf ebenso vielfĂ€ltige Weise miteinander verbunden wie SexualitĂ€t und MobilitĂ€t.

 

FĂŒr die meisten Menschen gilt:

  • wer jung und ohne familiĂ€re Bindungen ist, ist mobiler als andere – und tendenziell sexuell aktiver;
  • wer keine passenden Partnerinnen oder Partner findet, verlĂ€sst seine soziale Gemeinschaft eher; ganz besonders dann, wenn diese das eigene sexuelle Verhalten nicht akzeptiert oder gar verfolgt;
  • wer andere Gesellschaften kennenlernt, trifft auch eher auf andere Werte, Normen und Möglichkeiten zu SexualitĂ€t und Partnerschaft;
  • wer sich nur befristet an einem fremden Ort aufhĂ€lt oder wer dort keine Zukunftsperspektive fĂŒr sich sieht, geht dort seltener eine feste Partnerschaft – aber durchaus sexuelle Beziehungen! – ein.

 

All dies sind historisch keine neuen Erscheinungen. Neu sind lediglich die Geschwindigkeit und Frequenz, mit der Menschen ihre Aufenthaltsorte wechseln können, sowie die Zahl der Menschen, die dies tatsÀchlich tun.

Sexuelle Kontakte außerhalb einer dauerhaften Bindung werden, nach wie vor, eher MĂ€nnern zugestanden. Deswegen schafft die MobilitĂ€t von MĂ€nnern (ob Dienstreise, Arbeitssuche oder MilitĂ€reinsatz) oft auch eine Nachfrage nach unverbindlichen sexuellen Kontakten und solchen gegen Entgelt (Paysex/Prostitution).

Frauen sind erst in den letzten Jahrzehnten zunehmend auch allein auf Einkommenssuche. Viele setzen dazu traditionell weibliche FĂ€higkeiten (Hausarbeit, pflegerische Dienste u.Ă€.) ein – oder ihre SexualitĂ€t. Über die Bedingungen, in denen dies geschieht, können sie allerdings hĂ€ufig nicht selbst entscheiden. Deswegen sind mobile Frauen besonders vulnerabel fĂŒr gesundheitliche Risiken – gerade auch durch STI.

Selbst wer ohne wirtschaftliche oder soziale ZwĂ€nge mobil ist, kann mit sexuellen Kontakten die Hoffnung auf eine dauerhafte Beziehung verbinden. Frauen sind durch romantische Vorstellungen („Risikofaktor Liebe“) hĂ€ufiger gefĂ€hrdet als MĂ€nner – und damit auch vulnerabler fĂŒr STI.

 

STI können sich besonders gut verbreiten, wenn

  • ungewohnte Werte und Normen zu riskantem Verhalten fĂŒhren;
  • sexuell aktive Menschen wegen sprachlicher, sozialer und kultureller Barrieren keine angemessene Informationen erhalten;
  • mobile Menschen keinen angemessenen Zugang zu medizinischen und sozialen Angeboten haben.