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Chlamydien / Chlamydia trachomatis

Erkrankung

Chlamydia trachomatis (CT) wird in verschiedene Serovare bzw. Genotypen eingeteilt, die sich hinsichtlich der verursachten Erkrankungen unterscheiden: Serovare A-C: Konjuntivitis, Trachom; Serovare D-K: Infektionen des Urogenitaltrakts, der Analregion, Konjunktiven und des Respirationstrakts (Neugeborene); Serovare L1-L3: Lymphogranuloma venereum (LGV)

 

√úbertragung

Sexualkontakte, Schmierinfektion (Konjunktivitis), perinatal

 

Symptome

Serovare A-C verursachen okulare Infektionen, die bei chronischen Verl√§ufen zum Trachom f√ľhren k√∂nnen und in Entwicklungsl√§ndern eine h√§ufige Ursache der Erblindung darstellen. Serovare D-K k√∂nnen Entz√ľndungen des Geb√§rmutterhalses (Zervizitis), der Harnr√∂hre (Urethritis), gelegentlich auch eine Proktitis oder Konjunktivitis verursachen. Der Gro√üteil dieser Infektionen verl√§uft aber ohne auff√§llige Symptomatik. Sowohl symptomatische als auch asymptomatische Infektionen k√∂nnen in einen chronischen Verlauf √ľbergehen und Entz√ľndungen des kleinen Beckens verursachen PID (pelvic inflammatory diseases). Kommt es infolge der Entz√ľndung zu einem Verschluss der Eileiter, besteht die Gefahr einer ektopen Schwangerschaft und der tub√§ren Sterilit√§t.

Folgeerkrankungen bei M√§nnern beinhalten die Entz√ľndung der Nebenhoden (Epididymitis) und m√∂glicherweise auch der Prostata. Dagegen gibt es keine klaren Hinweise f√ľr eine Chlamydien-bedingte Fertilit√§tsst√∂rung bei M√§nnern. In einem kleinen Teil der Infektionen bei M√§nnern und Frauen siedeln die Bakterien in die Gelenke ab und k√∂nnen eine Arthritis verursachen.

Das durch die Serovare L1-L3 verursachte LGV kann sich als inguinales Syndrom (Genitalulkus, Lymphknoten-Schwellung) oder anorektales Syndrom (rektale Entz√ľndung/ Geschw√ľr) manifestieren. Letzteres dominiert bei den seit 2003 vermehrt bei MSM auftretenden LGV-F√§llen.

 

Epidemiologie

CT ist weltweit der h√§ufigste bakterielle sexuell √ľbertragbare Infektionserreger (ca. 100 Millionen Neuinfektionen pro Jahr). In Deutschland wird von j√§hrlich etwa 300.000 Infektionen ausgegangen. Die h√∂chsten Infektionsraten finden sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

 

Diagnostik

Als Methode der Wahl gilt der Nachweis mit Nukleins√§ure-Amplifikationstests. F√ľr die Untersuchung k√∂nnen Abstrichproben oder Erststrahlurin eingesetzt werden.

 

Therapie

Geeignete Antibiotika sind vor allem Doxycyclin, Makrolidantibiotika (Azithromycin, Erythromycin, Clarithromycin, Roxithromycin) und Chinolone (Ofloxacin, Levofloxacin). Aufgrund der hohen √úbertragungswahrscheinlichkeit sollte immer eine Partnerbehandlung angestrebt werden.

Auszug aus dem STI-Therapieleitfaden der DSTIG, Deutsche Version 2.1 (Stand 11.2014) HIER finden Sie den gesamten Leitfaden

 

Prävention

Eine Impfung gegen Chlamydien existiert bislang nicht. Die Verwendung von Kondomen kann die Ansteckung durch Sexualverkehr verhindern. Durch regelm√§√üige Screening Untersuchungen k√∂nnen asymptomatisch infizierte Personen fr√ľhzeitig identifiziert werden und infolge antibiotischer Behandlung der positiv getesteten Personen und ihrer Partner die H√§ufigkeit von Infektionen und Folgeerkrankungen reduziert werden.

 

Literatur

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