Einsendetests und andere Tests auf STI – wann ist was sinnvoll?

Zunehmendes Testangebot – nicht immer ein Vorteil

Das Angebot an Tests auf sexuell übertragene Infektionen (STI) ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen [1,2]. Neben Untersuchungen in Arztpraxen und spezialisierten Einrichtungen stehen zunehmend Einsendetests zur Verfügung, bei denen Proben zu Hause entnommen und ins Labor geschickt werden. Diese Angebote sind niedrigschwellig und diskret – werfen aber Fragen nach ihrem sinnvollen Einsatz auf.

Symptome = ärztliche Abklärung

STI-Testungen sollten immer im Kontext von Risiko, Symptomen und diagnostischen Zeitfenstern erfolgen. Bei Symptomen wie Ausfluss, Schmerzen beim Wasserlassen, Hautveränderungen oder Fieber ist eine unmittelbare ärztliche Abklärung erforderlich. Einsendetests sind hierfür nicht geeignet, da neben der Labordiagnostik auch eine klinische Beurteilung und gegebenenfalls sofortige Therapie notwendig sind.

Einsendetests bei asymptomatischen Personen

Für asymptomatische Personen können Einsendetests eine sinnvolle Ergänzung darstellen, etwa nach einem Risikoereignis oder im Rahmen regelmäßiger Checks. Ihr Vorteil liegt im erleichterten Zugang. Gleichzeitig variiert die Qualität der Angebote erheblich – sowohl hinsichtlich der Testverfahren als auch der begleitenden Information.

Gezielte Teststrategie statt „Multiplex“

Ein zentraler Aspekt ist die Auswahl der getesteten Erreger. Umfangreiche Multiplex-Panels mit zahlreichen Zielerregern sind meist medizinisch nicht sinnvoll und können zu Überdiagnostik führen [3,4].

Die DSTIG empfiehlt eine fokussierte Teststrategie:

  • HIV und Syphilis: prioritär aufgrund oft asymptomatischer Verläufe und klarer Vorteile früher Diagnose. Für Männer, die Sex mit Männern haben und häufig wechselnde Partner, sowie für Menschen in der Sexarbeit und deren männliche Kunden wird eine regelmäßige Syphilis-Testung empfohlen, in der Regel zweimal jährlich.
  • Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae: insbesondere bei erhöhter Exposition relevant.

 

Weniger sinnvoll ist das routinemäßige Testen auf weitere Erreger ohne klare klinische Relevanz (z. B. HSV bei asymptomatischen Personen, Mykoplasmen, Ureaplasmen oder HPV außerhalb von Vorsorgeprogrammen). Solche Nachweise führen häufig zu Verunsicherung und unnötiger Therapie.

  • HPV und Krebsfrüherkennung

Für die HPV-assoziierte Krebsprävention bleibt die reguläre gynäkologische Vorsorge entscheidend. Isolierte HPV-Testungen außerhalb dieses Kontextes liefern häufig schwer interpretierbare Befunde ohne unmittelbare Konsequenz, weshalb die DSTIG auch keine Heim- oder Einsendetests auf HPV empfiehlt.

  • Weitere Erreger:

Routine-Tests auf weitere Erreger (z. B. HSV bei Symptomlosigkeit, Mykoplasmen, Ureaplasmen oder HPV außerhalb von Früherkennungsprogrammen) sind ohne klinische Relevanz. Ihr Nachweis führt häufig zu Verunsicherung und unnötiger Therapie, weswegen die DSTIG entsprechende Routinetests auch nicht empfiehlt.

Richtige Probenentnahme

Viele STI sind lokal begrenzt und werden nur durch gezielte Abstriche aus den relevanten anatomischen Lokalisationen (z. B. Rachen, Rektum, Genitalbereich) erkannt. Einsendetests können dies abbilden, setzen jedoch eine sachgerechte Eigenentnahme voraus.

    Prävention durch Impfung

    Nicht alles, was testbar ist, muss getestet werden – insbesondere bei vorhandenen Impfoptionen. Für mehrere STI, darunter HPV und Hepatitis B, stehen wirksame Impfungen zur Verfügung und sollten vorrangig genutzt werden.

    Beratung als entscheidender Bestandteil

    Ein STI-Test ist kein isolierter Laborwert, sondern Teil eines diagnostischen Prozesses. Fragen zu Expositionsrisiken, Testzeitpunkten und Befundinterpretation sind entscheidend, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Viele kommerzielle Einsendetest-Angebote weisen hier Defizite auf.

    Wichtig sind daher Angebote, die Testung und qualifizierte Beratung verbinden – wie s.a.m health, das Nutzer:innen bei der Einordnung der Ergebnisse unterstützt.

    Fazit

    Einsendetests können den Zugang zur STI-Diagnostik für asymptomatische Personen verbessern. Voraussetzung für ihren sinnvollen Einsatz sind eine gezielte Auswahl der Testinhalte, korrekte Probenentnahme und eine qualifizierte Beratung. Bei Symptomen oder komplexen Fragestellungen bleibt die direkte ärztliche Abklärung unverzichtbar.

      Literatur:

      1. Manabe YC. The impact of COVID-19 pandemic on technologic and process innovation in point-of-care diagnostics for sexually transmitted infections. Clin Biochem. 2023;117:75–83.
      2. Doran J, Weatherburn P, Hickson F, Marcus U, Reid D, Schmidt AJ. An update on the performance of STI services for gay and bisexual men across European cities. Sex Transm Infect. 2021;97(3):201–208.
      3. Schmidt AJ, Marcus U. What’s on the rise in sexually transmitted infections? Lancet Reg Health Eur. 2023;34:100764.
      4. Horner P, Donders G, Cusini M, et al. Should we be testing for urogenital Mycoplasma and Ureaplasma? J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018;32(11):1845–1851.

        s.a.m health

        s.a.m health ist ein Projekt der Deutschen Aidshilfe. Es bietet unkomplizierte, diskrete HIV- und STI-Tests für zuhause, kombiniert mit medizinischer Labordiagnostik und persönlicher Beratung.